Sebastian Zahn über die Ära des „Prompt Triggering“

Keyword war gestern

Die klassische Suchmaschinenoptimierung hat gewaltig an Komplexität zugenommen. Wer heute Bücher verkaufen will, muss verstehen, wie Sprachmodelle „denken“. Doch wie bringt man eine KI dazu, nicht nur Schreibtipps zu geben, sondern konkrete Kaufempfehlungen auszusprechen? Sebastian Zahn, Performance Marketing Manager bei Droemer Knaur, über die Veränderung von SEO für Bücher und warum wir in Kategorien statt Titeln denken müssen.

Foto/video: KI-generert, Freepik

Sebastians Methodik läuft darauf hinaus, KI dazu zu bringen, Kaufempfehlungen zu triggern. Er zeigt, dass der „Erklärmodus“ der größte Feind des Umsatzes ist – und wie das „Prompt Triggering“ die Metadaten-Strategie der Buchbranche revolutionieren kann.

Wir kennen das Spiel seit 20 Jahren: Schlagwort eingeben, auf Platz 1 hoffen. Sie sagen, diese Ära ist vorbei. Wie radikal ist der Wandel wirklich?

Der Wandel ist fundamental, weil sich das Nutzerverhalten komplett gedreht hat. Früher tippten Menschen statische Schlagworte wie „Krimi Bestseller“ in eine Suchmaske. Heute unterhalten sie sich – so wie wir gerade. Sie befragen Gemini (AI Mode, AI Overview) oder ChatGPT wie einen erfahrenen Buchhändler.

Die Währung ist nicht mehr das Ranking auf einer Liste, sondern die exklusive Empfehlung in einer Antwort. Die entscheidende Frage lautet heute nicht mehr: „Wer hat das beste SEO-Ranking?“, sondern: „Wen empfiehlt die KI als Antwort?“ Wenn wir diesen Paradigmenwechsel ignorieren, werden wir unsichtbar.

„Die KI zwingen, den Modus zu wechseln“

Sie sprechen oft vom „Erklärmodus“ als Problem. Was meinen Sie damit?

Das ist das größte Missverständnis im Umgang mit generativer KI. Die Systeme sind darauf trainiert, primär Wissen zu vermitteln.

Wenn ein Nutzer / eine Nutzerin fragt: „Wie schreibe ich einen Krimi?“, erklärt die KI den Schreibprozess.

Das ist nett, aber damit verkaufen wir als Verlag kein einziges Buch. Unsere strategische Aufgabe ist es, die KI zu zwingen, den Modus zu wechseln – raus aus dem Erklärmodus, rein in den Transaktionsmodus, also den Verkaufsberater-Modus. Dafür habe ich eine mechanische Formel entwickelt, das sogenannte „Prompt Triggering“.

Wie funktioniert dieses System technisch?

Es basiert auf einer Drei-Elemente-Systematik. Damit die KI am Ende sagt „Kaufe dieses Buch“, muss der Prompt des Nutzers drei spezifische Trigger enthalten, die wir durch unsere Daten bedienen müssen. Fehlt einer, bleibt das Ergebnis vage.

Erstens: Der Absichts-Trigger (Intent), also die klare Kauf- oder Suchentscheidung des Users.

Zweitens: Der Kategorie-Trigger – das ist unser Spielfeld, etwa Psychothriller oder New Adult.

Und drittens – das ist unser wichtigster Hebel – der Kriterien-Trigger. Hier geht es um spezifische Attribute wie „unvorhersehbares Ende“, „düstere Atmosphäre“ oder „Spiegel-Bestseller-Niveau“. Nur wenn diese drei zusammenkommen, generiert die KI ein konkretes Produkt als Antwort.

„Wir müssen weg vom reinen Titel-Denken“

Lassen Sie uns das konkret machen. Wie wenden Sie das auf das Programm von Droemer Knaur an?

Nehmen wir einen Titel von Vincent Kliesch. Eine Leserin sucht heute oft nach einem Gefühl oder einer intellektuellen Herausforderung.

Stellen wir uns vor, sie sagt der KI: „Ich brauche neuen Lesestoff (Absicht), und zwar einen Psychothriller (Kategorie), der mich geistig fordert und Plottwists hat, die ich nicht kommen sehe (Kriterien).“

In diesem Moment sucht der Algorithmus nach Büchern, die mathematisch am stärksten mit den Attributen „geistig fordernd“ und „überraschend“ verknüpft sind.

Wenn wir unsere Metadaten, Klappentexte und Pressearbeit so optimiert haben, dass unser Titel genau diese Attribute besetzt, dann muss die KI diesen Titel nennen.

Nicht aus Zufall, sondern aus mathematischer Wahrscheinlichkeit.

Was bedeutet das für die Metadaten-Pflege in Verlagen? Müssen wir unsere Bücher neu verschlagworten?

Absolut. Wir müssen weg vom reinen Titel-Denken hin zum Kriterien-Denken. Wir müssen uns fragen: Welche Atmosphäre simulieren wir? Werden unsere Liebesromane als „herzerwärmend“ oder als „emotional aufwühlend“ klassifiziert? Besetzen wir die Nische „Cozy Crime“ für den Urlaub perfekt? Wie stark ist die Brand-Autorität eines Sachbuchautors?

Es ist keine Zauberei. Es ist das Verständnis darüber, wie Maschinen menschliche Kaufentscheidungen simulieren. Wenn wir verstehen, welche Trigger-Elemente unsere Leserinnen nutzen, können wir die Antwort der KI beeinflussen. Unser Ziel ist es, dass die Verlage und Autoren die Antwort sind.

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Sebastian Zahn beschäftigt sich als Performance Marketing Manager intensiv bei der Verlagsgruppe Droemer Knaur mit dem Thema SEO und Performance und entwickelt Strategien zur Sichtbarkeit im Zeitalter generativer Suche.

Stimmen Sie zu? Haben Sie eine andere Meinung zu dem Trigger-Ansatz? Schreiben Sie dem Autor hier eine Mail oder auf LinkedIn.