Werkzeug, nicht Wundermittel
Martina Steinröder über Produktentwicklung mit KI – Potenziale, Herausforderungen und praktische Ansätze
Die Verlags- und Medienbranche steht vor einer epochalen Transformation: Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Art und Weise, wie Produkte entwickelt, Märkte analysiert und Geschäftsmodelle gestaltet werden. Doch wie können Verlage die Möglichkeiten der generativen KI konkret nutzen, um Innovationen voranzutreiben, Prozesse zu optimieren und neue Zielgruppen zu erreichen? Und wo liegen die Grenzen dieser Technologie?
Martina Steinröder, Gründerin von Steinröder Publishing Consulting und Expertin für digitale Transformation, gab in einem Webinar des DPR Einblicke, wie Verlage generative KI effizient in ihre Produktentwicklung integrieren können. Ihre Botschaft: KI ist ein mächtiges Werkzeug, ersetzt aber nicht die Expertise und Kreativität von Menschen.
Wichtige Erkenntnisse aus dem Webinar
1. Die Rolle von KI in der Produktentwicklung: Generative KI kann in nahezu allen Phasen der Produktentwicklung eingesetzt werden – von der Marktanalyse über die Konzeptentwicklung bis hin zur Erstellung von Prototypen. Besonders effektiv ist sie bei der Auswertung großer Datenmengen und der Erstellung strukturierter Ergebnisse, wie z. B. Marktübersichten, Zielgruppenanalysen oder Wettbewerbsprofilen. Allerdings gilt: Die Qualität der Ergebnisse hängt entscheidend von der Qualität der zugrunde liegenden Daten und der Präzision der Aufgabenstellung ab.
2. Potenziale in der Ideen- und Konzeptentwicklung: KI bietet wertvolle Unterstützung bei der Erarbeitung von Produktideen und der Entwicklung von Konzepten. Mithilfe von Tools wie ChatGPT oder Claude können Verlage Customer Journeys, Value Propositions und Business Model Canvases erstellen. Dabei generiert KI Vorschläge, die als Inspiration dienen und bestehende Ideen ergänzen können. Allerdings sind diese Vorschläge selten originell – die finale Gestaltung und kreative Differenzierung bleiben Aufgabe der Menschen.
3. Unterstützung bei der Primärforschung: Ein zentraler Aspekt der Produktentwicklung ist das Verständnis der Kundenbedürfnisse. Hier kann KI bei der Erstellung von Gesprächsleitfäden, Workshop-Designs und der Auswertung von Interviews unterstützen. Besonders hilfreich ist die Fähigkeit der KI, unstrukturierte Daten zu analysieren und Muster zu erkennen. Dennoch bleibt die direkte Interaktion mit Kund:innen unverzichtbar, da KI lediglich als Assistentin agiert.
4. Grenzen der Technologie: Trotz ihrer Stärken hat generative KI klare Limitationen: Sie kann keine originären Erkenntnisse liefern, arbeitet häufig mit veralteten oder unvollständigen Daten und ist anfällig für sogenannte Halluzinationen – also die Generierung von falschen oder ungenauen Informationen. Daher sollten alle Ergebnisse kritisch überprüft werden. Für Aufgaben wie die Bereitstellung exakter Zahlen oder die Berechnung von Mittelwerten ist KI derzeit ungeeignet.
5. Praktische Anwendungen: Ein Beispiel für den Einsatz von KI ist die Erstellung von Wireframes für digitale Produkte. Auf Basis von Konzeptbeschreibungen kann KI einfache Prototypen erstellen, die als Grundlage für Tests dienen. Auch die Entwicklung von Lizenzmodellen und Preisstrategien kann durch KI unterstützt werden – allerdings ohne konkrete Preisberechnungen, da diese oft fehlerhaft sind.
Fazit
Generative KI bietet Verlagen eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Produktentwicklung zu beschleunigen und zu optimieren. Sie ist besonders stark in der Analyse und Strukturierung von Daten sowie als Sparringpartnerin bei der Ideengenerierung. Dennoch ersetzt KI weder die Kundennähe noch die kreative und strategische Arbeit von Fachleuten. Verlage sollten KI als Werkzeug verstehen, das sie gezielt und verantwortungsvoll einsetzen, um ihre Innovationskraft zu stärken und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Dr. Martina Steinröder ist Gründerin von Steinröder | Publishing Consulting. Als Expertin für Digitale Transformation berät sie viele Unternehmen bei der Digitalisierung. Einer ihrer Beratungsschwerpunkte ist die strategische Konzeption und Entwicklung digitaler Angebote. Dr. Martina Steinröder verfügt über umfangreiche Erfahrungen in der Medienbranche und mit digitalen Projekten. Sie ist u.a. Lehrbeauftragte an der philosophischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Dozentin der Akademie der deutschen Medien.
