Wenn die KI zur Ghostwriterin wird
Britische Ghostwriter:innen berichten von sinkender Nachfrage und wachsenden Aufträgen zur Überarbeitung KI-generierter Manuskripte
Published: 29.10.2026
Generative KI verändert das Geschäft der Ghostwriter:innen. Wie The Bookseller berichtet, verzeichnen mehrere Ghostwriter:innen in Großbritannien deutlich weniger Aufträge, weil angehende Autor:innen zunehmend selbst mit KI-Tools experimentieren. Gleichzeitig werden sie häufiger gebeten, maschinell erstellte Manuskripte zu überarbeiten.
Corinna Cunningham, seit 2021 als Ghostwriterin tätig, hatte nach zwei gut ausgelasteten Jahren in diesem Jahr bislang kein einziges Projekt. Anfragen und Gespräche seien spürbar zurückgegangen, mehrere Interessent:innen wieder abgesprungen. Stattdessen häuften sich Anfragen zur Bearbeitung KI-gestützter Texte. Ob allein die KI hinter dem Einbruch steckt, könne sie nicht mit Sicherheit sagen, auch die allgemeine Wirtschaftslage spiele womöglich eine Rolle. Rebecca Rennie ist sich dagegen sicher: Statt rund zwölf Kund:innen pro Jahr betreut sie derzeit nur noch ein Viertel davon, und der Grund sei die KI.
Auch die Society of Authors hört von ihren Mitgliedern von weniger Aufträgen und dem Wunsch, KI-Texte zu redigieren. Geschäftsführerin Anna Ganley warnt, das Ergebnis sei oft qualitativ schwächer und die Überarbeitung könne so aufwendig sein wie das Schreiben von Grund auf.
Einheitlich ist das Bild allerdings nicht
Luke Shipman von The London Ghostwriting Company meldet das profitabelste Jahr der zehnjährigen Firmengeschichte. Viele Kund:innen hätten zwar mit ChatGPT herumprobiert, kämen dann aber doch zu seinem Team, und zwar ohne Abstriche beim Preis. KI-Entwürfe nutze man dort nur als Referenzmaterial und schreibe sie komplett neu.
Kevin Anderson von Kevin Anderson & Associates erwartet, dass KI vor allem im unteren Marktsegment und bei einfachen Sachbüchern bezahlte Aufträge ersetzen und die Honorare unter Druck setzen wird. Der eigentliche Wert seiner Zunft liege jedoch vor dem Schreiben: im Interview, im kritischen Nachfragen, im Aufspüren blinder Flecken. Hier drohe KI zu einer „raffinierten Echokammer“ zu werden, denn wer seine blinden Flecken untersuchen lasse, entscheide selbst, ob die Untersuchung gelungen ist. Cunningham vergleicht ihre Rolle mit der eines Personal Trainers: Sie stemme zwar die Gewichte, erscheinen müssten die Autor:innen aber selbst.
Die Society of Authors und Anderson fordern mehr Transparenz beim KI-Einsatz im Publishing. Leser:innen sollten nachvollziehen können, wer die Ideen entwickelt, wer den Text geschrieben und wer die Inhalte geprüft hat.